Kleine haben (k)eine Stimme – Reisebüros und Busreiseveranstalter demonstrieren wieder

Heute, am 13. Mai 2020, waren Touristiker deutschlandweit wieder auf der Straße, so auch vor der Staatskanzlei in Schwerin. Sie fühlen sich alleingelassen von der Politik. Zwar würde immer wieder über Tourismus gesprochen, doch seien damit meist die großen Player der Branche wie TUI oder Lufthansa gemeint. Dass die kleinen Unternehmen stark unter der Krise leiden, würde dabei einfach untergehen.

„Wir haben keine Lobby in Berlin“, so die Reisebüroinhaber. „Aber wir sind viele und werden zeigen, dass auch die Kleinen eine Stimme haben, die erhört werden muss!“

Bereits seit Jahresbeginn haben Reisebüros Umsatzeinbußen, da Reisen aufgrund von Corona abgesagt wurden. Seitdem liegt das Geschäft brach – zumindest was Einnahmen angeht. Arbeit gibt es genug, müssen doch Stornierungen weiterer Reisen abgearbeitet, Kunden zu Umbuchungsmöglichkeiten beraten und traurige Familien getröstet werden, weil ihr Jahresurlaub ausfällt.

Während die TUI Staatshilfen in Höhe von 1,8 Milliarden bekommen hat – und trotzdem 8000 Stellen abbauen will – stehen viele Kleinunternehmen, zu denen Reisebüros häufig zählen, mit 9000 Euro Soforthilfe da. Doch diese sind vielerorts aufgrund der zurückzuzahlenden Provisionen, Personalkosten, Mieten etc. schon aufgebraucht. Kredite kommen nur für wenige in Frage, zumal die Branche allgemein nicht zu den bei Banken willkommenen Wirtschaftszweigen gehört.

Auch Busreiseveranstalter wie PTI Panoramika aus Rostock, R&T Reisen aus Ludwigslust und LULU Reisen aus Parchim waren in Schwerin dabei. Insgesamt kreisten 10 Busse hupend durch die Stadt, um die Aufmerksamkeit auf das Problem zu lenken. Die Unternehmer kamen auf der Schweriner Demonstration heute zu Wort. Die Inhaberin von LULU Reisen, Beate Thees, erzählte, dass sie erst vor einem Jahr 2 neue Reisebusse angeschafft habe. Es sei damals kein Problem gewesen, den dafür nötigen Kredit zu bekommen. Doch nun stehen all ihre Busse still. Kundengelder für abgesagte Reisen müssten zurückgezahlt werden, obwohl ausländische Vertragspartner häufig geleistete Anzahlungen nicht zurückerstattet hätten. So kommen selbst gut aufgestellte Unternehmen nun in Schwierigkeiten.

Auch andere Busreiseveranstalter wie Axel Kröger aus Neustadt- Glewe, dessen Unternehmen nun bereits seit 74 Jahren am Markt existiert, wiesen auf die Lage der kleinen Unternehmen hin. Man brauche dringend eine sinnvolle Perspektive, wie die Zukunft der Reisebranche aussehen wird. Wann dürfen Reisebusse wieder fahren? Wie viele Passagiere dürfen an Bord sein? Was passiert, wenn der Bus die Grenzen unseres Bundesland verlässt? Überall gelten eigene Regeln. Müsste der Bus unterwegs Kunden raussetzen, weil in anderen Bundesländern eventuell weniger Menschen in einem Bus erlaubt sind?

Am Ende müsse man vor allem im Auge behalten, dass – auch wenn die Vermittlung und Planung von Reisen zu den schönsten Beschäftigungen gehört, die man haben kann – es sich um Unternehmen handelt, die natürlich mit ihrer Arbeit auch Gewinn erwirtschaften müssen, um überleben zu können.


Reisebüros demonstrieren in Schwerin

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